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Die Mauer im Kopf steht noch immer…

Vor einigen Tagen kam ich in Erfurt an verschiedenen Plakaten eines regionalen Stromanbieters vorbei und musste erst einmal schlucken. Nicht nur, weil mir der Zusammenhang zwischen „Knusperflocken“, Senf und Strom nicht gleich ersichtlich war. Vielmehr war ich überrascht, dass der Elektrizitätsproduzent seinen Strom als echtes „Ostprodukt“ anbot und besonders herausstellte.

Da musste ich doch zweimal auf das Plakat starren, um zu erkennen, was mir das bunte Bild eigentlich sagen wollte. Da wird mir als potenziellem Kunden doch allen Ernstes versucht Strom zu verkaufen, der sich dadurch auszeichnet, dass er aus dem Ost kommt. Soll das ein besonderes Qualitätsmerkmal sein? Wohl kaum, denn Strom ist schließlich Strom. Allein über die Art der Herstellung, Ökostrom oder konventionell, kann man diskutieren oder auch streiten. Aber die Tatsache, dass er aus dem Osten kommt, macht ihn nicht zu einem besseren Produkt.

Was ist der Osten eigentlich? Und müssen wir heute noch mit „Ostprodukten“ werben? Wohl kaum! Wer mit einer solchen Herkunftsangabe Werbung macht, hat nichts verstanden. Gerade solche Werbesprüche sind allein dazu geeignet, die Mauer im Kopf zu bewahren und noch drei Meter höher werden zu lassen. Strom bestellt man, weil er günstig oder vielleicht weil er besonders „öko“ ist. Aber nur, weil er aus dem Osten kommt? Damit werden nur alte Klischees bedient, die man nur wirklich nicht mehr hören will.

Diese Art der Werbung ist allein dazu angetan, die bestehenden Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland noch zu verschärfen. Wer sich 20 Jahre nach der Wende noch darauf beruft, ein „Ostprodukt“ zu verkaufen, dreht die Uhr einfach zurück und zeigt, wes Geistes Kind er ist. Gerade eine solche Werbung gefällt vor allem denjenigen, die sich auch heute noch die DDR zurückwünschen und sagen, früher zu „Ostzeiten“ war ja alles besser. Mit einer solch rückständigen Geisteshaltung kann man keine Zukunft gestalten!

Um nicht missverstanden zu werden: Ich habe nichts dagegen, dass der Strom im „Osten“ produziert wird. Im Gegenteil, ich befürworte es ausdrücklich, wenn der Strom dort produziert wird, wo er auch verbraucht wird. Das schafft regionale Arbeitsplätze und sichert den Bestand der Unternehmen. Es erspart unserer Landschaft Hochspannungsleitungen über Hunderte Kilometer und reduziert die Verluste durch langen Transport. Auch sollen die Menschen sehen können, woher der Strom eigentlich kommt. Das hilft vielleicht, manchmal vernünftiger damit umzugehen.

Wir brauchen aber heute keine Spaltung in Ost und West mehr. Wir brauchen Menschen, die bereit sind, die Mauer in den Köpfen einzureißen und diese geteilte Vergangenheit hinter sich zu lassen. Wer mit solch billigen Werbesprüchen Umsätze kreieren will, hat nicht verstanden, dass die Welt 20 Jahre weiter ist.

Vor allem wirkt die Werbung besonders unglaubwürdig, wenn man auf dem Plakat sieht, dass der regionale Anbieter offenbar zu einem westdeutschen Konzern gehört. Man könnte meinen, die Werber wollten die Kunden für dumm verkaufen.

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