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Bye, Bye Bundestag

Nun geht eine lange Zeit zu Ende. Über elf Jahre habe ich im Bundestag gearbeitet. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Büroleiter von insgesamt vier Abgeordneten. Die Zeiten, in denen ich für die Abgeordneten jeweils gearbeitet habe, waren sehr unterschiedlich. Mal nur zehn Monate, mal sieben Jahre. Aber jedes Mal war es eine spannende, eine aufregende Zeit. Ich habe sehr viel erlebt und gelernt in all den Jahren.

Ich hatte Gelegenheit, Politik hautnah mitzuerleben und auch ein bisschen mitzugestalten. Viele Menschen habe ich getroffen und kennen gelernt. Die einen sehr gut, die anderen weniger. Da waren viele dabei, an dich noch oft und gerne zurückdenken werde. Einige gute Freundschaften sind entstanden, die auch die Entfernung nach Erfurt überstehen werden. Da bin ich mir sicher.

Es gab viele spannende Momente. Rückritte und Neuanfänge, spannende und weniger spannende Sitzungen, in denen mich nur der spitze Ellenbogen der Kollegin in meinen Rippen vor dem Einnicken rettete. Oftmals ging es hektisch zu, gerade in den Sitzungswochen, wenn alles auf einmal fertig und erledigt sein musste. Ja, ich habe da so meine Erfahrungen gemacht… Nach geschätzten 250 Sitzungswochen in diesen elf Jahren ist mir nicht Menschliches mehr fremd.

Oppositions- und Regierungszeit habe ich miterlebt. Da gab es einige hitzige Auseinandersetzungen und stille Übereinkunft. Manch guter sinnvoller Antrag musste aus Gründen der Fraktions- und Koalitionsräson abgelehnt werden, obwohl man innerlich Bauchschmerzen hatte. Aber nur allzu oft gerieten wir in die gleiche Situation und ein guter Ansatz wurde von den Regierungsfraktionen mit fadenscheinigen Begründungen zunichte gemacht. Aber so ist das eben in der Politik. Da zählen eben nicht immer Argumente, sondern Mehrheiten.

Es gäbe genügend lustige und nachdenkliche Geschichte zu erzählen, von Begegnungen zu berichten und im Nachhinein auch manches anders zu machen. Aber nun ist es vorbei und ich behalte die schönen Erinnerungen zurück. Vielleicht finde ich einmal Gelegenheit, ein paar dieser Erlebnisse aufzuschreiben und publik zu machen. Mancher würde sich sicher darin wieder erkennen, manche Erinnerung mag man vielleicht nicht wieder aufleben lassen. Das alles aufzuschreiben und Revue passieren zu lassen, braucht aber Zeit und sollte nach meiner Meinung erst ein wenig reifen. Über manch skurrile Begebenheit oder seltsame Aufgabe, die ich erledigt habe, wäre zu berichten. Aber auch der „Bürger an sich“ käme sicherlich zu kurz

Nun ist es an der Zeit, sich neuen Aufgaben zuzuwenden und wieder ein geordnetes Familienleben aufzunehmen. Die Pendelei zwischen Erfurt und Berlin hat ein Ende, ich werde sie nicht vermissen. Vermissen werde ich all die guten Freunde und Kollegen, mit denen sich in den letzten Jahren so viel Zeit verbracht habe. Wir haben viel zusammen gelacht und manch menschliches Problem erörtert. Ich mochte die Vertrautheit und das gute Gefühl, immer ein paar zuverlässige Leute an meiner Seite zu haben.

Aber die Welt dreht sich weiter und nun will ich voller Spannung und auch ein bisschen Nervosität in die Zukunft blicken. Ich freue mich sehr, wieder täglich bei meiner Frau und den Kindern zu sein und abends im besten Sinne „nach Hause“ zu kommen. Das mag furchtbar spießig klingen, aber irgendwie wünschen sich doch die meisten Menschen, die ich kennen gelernt habe, nach einem festen Punkt im Leben. Ich will sehen, wie meine Kinder aufwachsen und meinen Beitrag leisten, dass es ihnen gut geht. Ich freue mich auf die neuen beruflichen Aufgaben und all das, was da auf mich zukommt. Ich bin gespannt, in welches soziale Umfeld ich komme und welche neuen Kolleginnen und Kollegen ich kennen lernen werde.

All denen, mit denen ich in den vergangenen elf Jahren zusammengearbeitet habe, danke ich für die gute Zeit, die wir hatten. Gerne werde ich daran zurückdenken. In diesem Sinne: Bye, bye Bundestag.

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Kategorien:Das Leben, Politik Schlagwörter: , ,
  1. Markus Jung
    27. August 2010 um 14:19

    Lieber Stephan,

    ich bin zwar nur einer von denen, die nur sieben Monate mit Dir zusammenarbeiten durften und das ganze dann auch noch über eine ziemliche Distantz – vom Main-Kinzig-Kreis bis nach Berlin, aber dennoch darf ich feststellen:
    Es hat riesig Spaß gemacht mit Dir. Ich wünsche Dir für die Zukunft alles, alles Gute in Deinem Job und genieß die nun gewonnene Zeit bei deiner Familie!

    Markus

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