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Kurz rezensiert: Twitter – Das Leben in 140 Zeichen. Wahre und kuriose Tweets aus dem Web

Twitter kann man mögen – muss man aber nicht. Es gibt genügend Menschen, die den Dienst ablehnen und die Inhaltsleere von 140 Zeichen kritisieren. Das kann man so sehen, aber es geht auch anders. Pons hat mit seinem kleinen Büchlein ein wenig aus der Twittersphäre zusammen getragen und gezeigt, dass die 140 Zeichen doch durchaus auch Inhalt haben können.

Über 230 Twitterer haben ihren Namen und ihre 500 Tweets hergegeben, um sie in diesem Buch aufzuführen. Es mutet in Zeiten von Web 2.0 schon fast anachronistisch an, ein Buch zum produzieren, das Inhalte des Webs wiedergibt. Und doch: Den Herausgebern ist es gelungen, eine originelle und sehr lesenswerte Zusammenstellung der Tweets vorzunehmen.

Unterteilt in 17 „Kapitel“ (kann man die noch so nennen?) finden sich dort teilweise sehr amüsante, aber auch nachdenkliche Äußerungen unserer Online-Zeitgenossen. Da geht es um „Liebe“, „Politik“ oder auch „Prokrastination“ und natürlich – wie sollte es anders sein – um „Berlin“. Wer ein paar Mal mit den Öffis durch Berlin kurvt, wird schnell der zahlreichen Sitznachbarn gewahr werden, die ihren Standort oder Status kurz (140 Zeichen) mal eben in die Welt hinaus senden. Erst wenn man das selbst probiert und gemacht, wird man den eigentlichen Reiz solcher Botschaften erkennen.

Das Buch selbst gibt keine Einführung in das, was Twitter ist oder wie der Dienst funktioniert. Wer danach sucht, ist hier fehl am Platz. Und dennoch: es ist eine unterhaltsame und kurzweilige Lektüre für die Hosentasche, wenn das mobile Internet des Smartphone in der Berliner U-Bahn nicht funktioniert. Und auch für die Menschen, die abends lieber ein Buch statt iPad oder e-Book mit ins Bett nehmen.

Manche der Tweets erinnern doch sehr an die „Sponti-Sprüche“ der siebziger und achtziger Jahre. Manches kommt einem bekannt vor und hat man schon anderer Stelle gelesen. Während früher Generationen von Schülern und Studenten Tische und Wände mit ihren Geistesblitzen verzierten und so eine eigene Subkultur schufen, so ist heute Twitter das Medium der Zeit. Dass das Interesse der Bevölkerung an Twitter nicht nur online, sondern auch ganz offline vorhanden ist, zeigt nicht nur dieses Buch, sondern auch die sich daraus ableitende „Twitterlesung“. Sicherlich ist dies auch eine Möglichkeit, den vermeintlichen Graben zwischen Befürwortern und Gegner von Twitter zu überwinden. Das kleine Pons-Buch kann dazu ein bisschen beitragen – vorausgesetzt man lässt sich auf Weisheiten in 140 Zeichen ein.

Twitter – Das Leben in 140 Zeichen. Wahre und kuriose Tweets aus dem Web. PONS: Stuttgart 2010. 189 S.

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