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Archive for Dezember 2010

Gut geräumt…

Kategorien:Fotografie

2010: Ende und Neubeginn – Ein Rückblick

Im abgelaufenen Jahr hat sich einiges für mich verändert. Zu Beginn des Jahres 201 wusste ich nicht recht, was die kommende Zeit mir bringen würde. Beruflich war ich noch in Berlin tätig, meine Familie war in Erfurt. Keine wirklich erfreuliche Situation, vor allem wenn man nicht weiß, wie lange dieser Zustand anhalten wird.

In meinem Bundestagsbüro bei Peter Tauber lief es gut für mich. Ein cooler Chef mit vielen, auch manchmal unorthodoxen Ideen. Nette Kollegen, bei denen ich mich gut aufgehoben fühlte und die mich immer akzeptiert haben. Wir waren wirkliche Teamarbeiter und ich konnte mit meiner rund elfjährigen Berufserfahrung in verschiedenen Bundestagsbüros den einen oder anderen Tipp geben. Es war eine schöne Zeit und ich konnte mir neue Themenfelder erschließen. Familienpolitik hatte ich bisher immer nur am eigenen Leib erfahren. Wenn man zwei Kinder hat, merkt man schon, wo Veränderungsbedarf in unserer Gesellschaft ist. Es war spannend, an den Sitzungen des Familienausschusses teilzunehmen und zu sehen, wo die Fraktionen ihre unterschiedlichen Schwerpunkte legten. Und einmal mehr wusste ich, dass ich bei der CDU und ihren Mitgliedern richtig aufgehoben bin. Weniger Ideologie und mehr Pragmatismus herrschen hier vor, die Ideen und Lösungsansätze orientieren sich an der Realität der Menschen und nicht an irgendwelchen Gruppen, die versorgt werden wollen.

Aber auch die von CDU und CSU initiierte und in Gang gesetzte Internet-Enquete weckte mein Interesse und ich hatte das Glück, dort zusammen mit Peter Tauber mitarbeiten zu können. Auch hier wurde schnell sichtbar, dass Pragmatismus und Scheuklappenblindheit oft recht nah beisammen lagen. Kaum einer hätte es uns zugetraut, dass die vermeintlich Konservativen sich mit Netzpolitik beschäftigen und den Dialog mit der Zivilgesellschaft suchen würden. Dass dies nicht immer einfach werden würde, wurde schnell deutlich. Erkennbar ist aber auch weiterhin, dass der Wille zum Dialog nicht so ausgeprägt ist, wie das Thema Netzpolitik es eigentlich erfordern würde. Kurz: Die alten Vorurteile werden weiterhin gepflegt und der Wille, in einen echten Meinungsstreit um die besten Lösungen einzutreten, ist leider noch immer sehr begrenzt. Aber letztlich wird auch hier irgendwann die Vernunft siegen. Hoffentlich….

Und plötzlich, Anfang März 2010 ergab sich eine neue Perspektive. Wie so oft im Leben war es der persönliche Kontakt, der mir den Weg in eine andere berufliche Zukunft wies. Ein Kollege meiner Frau brachte eine Stellenausschreibung mit und meinte: „Das ist doch was für deinen Mann.“ Und so war es auch. Meine Bewerbung bei der Zentralklinik Bad Berka habe ich gleich fertig gestellt und mir gedacht: „Warum nicht? Medizin hat dich immer interessiert und unter Ärzten bist du auch aufgewachsen. Das passt doch!“ Und so ergab es sich nach einiger Zeit, dass ich im September als neuer Pressesprecher der Zentralklinik angefangen habe. Neue Aufgaben erwarteten mich und andere Themen, als die, die ich in den vergangenen Jahren bearbeitet hatte. Manches ist ähnlich, vieles ist neu. Pressemitteilungen habe ich schon vorher geschrieben und mich durch die Tiefen von Content Management Systemen geackert. Wieder einmal hat sich gezeigt, dass die irgendwann Mitte der 1990er Jahre erworbenen HTML-Kenntnisse auch hier hilfreich sein können, wenn es um die Formatierung von Seiten und Texten geht. Dies wird auch im neuen Jahr so sein. Auch hier erwarten mich neue Aufgaben und Herausforderungen.

Dazwischen gab es natürlich auch ein paar persönliche Dinge. Meine Frau und meine Kinder haben mich durchs Jahr begleitet und mir oft und gerne lustige Momente zum Lachen und Schmunzeln verschafft. Stirnrunzeln gab es bei den morgendlichen Rechenübungen von Isabelle im Auto auf dem Weg zur Schule. Ausgerechnet ich, der Mathematik nie verstanden hat und froh ist, dass er Mathe irgendwann auf dem Gymnasium abwählen konnte, übt jetzt mit seiner Tochter das Rechnen. Verkehrte Welt. Ach ja, auch an anderer Stelle habe ich mich als Nachhilfelehrer versucht. Den Sohn meiner Berliner Vermieter habe ich morgens früh im Bus mit lateinischer Grammatik und Vokabeln gequält. Manche Erinnerung kann da wieder hoch. Und ich muss sagen, dass ich doch noch einiges von Damals behalten habe. Latein braucht man zwar heute nun wahrlich nicht mehr so oft, aber es doch schön zu wissen, dass neun Jahre (!) Schullatein inkl. „Leistungskurs“ nicht folgenlos geblieben sind. Wer weiß, wofür dieses Wissen noch einmal benötigt wird. Quod erit demonstrandum!

Pfingsten habe ich wie jedes Jahr mit meinen alten Zeltlagerkumpanen auf einer feuchten Wiese im Bergischen Land verbracht. Es ist einfach klasse, all die Leute zumindest einmal im Jahr wiederzusehen, mit denen ich einen Teil meiner Jugend verbracht habe. Manch trunkene Erinnerung tauchte da wieder aus den Schwaden auf und sorgte für gemeinsame Lacher. Auf ein Neues im kommenden Jahr. Pfingsten gehört dem Zeltlager. Daran gibt es nichts zu rütteln.

Einige Freunde und gute Bekannte, nette Kollegen und schräge Vögel musste ich in Berlin zurücklassen. Der Neubeginn war es wert. Kontakte, die sich lohnen, bleiben bestehen. Das Internet, aber auch Telefon und reale Besuche machen dies möglich. Es ist spannend zu sehen und lesen, wie sich manche Leute entwickeln. Ich verfolge dies mit viel Aufmerksamkeit. Meinen Hobbys – Fotografie und Bücher – werde ich sicher auch in 2011 wieder ausreichend Zeit schenken. Das eine oder andere Foto wird hier oder in der Fotocommunity  sicher zu sehen sein. Manche Rezension werde ich hier in meinem Blog absetzen und auf ein bisschen Austausch hoffen.

Nun ist das Jahr vorbei. Ich bin wieder bei meiner Familie. Das ist schön und soll auch so sein. Weihnachten mit einem riesigen Berg Geschenkpapier, den der Papiercontainer kaum schaffte, liegt hinter uns. Alles bestens und friedlich verlaufen, so wie es sein soll. Beruflich wird es in Bad Berka sicher weitergehen. Ich freue mich darauf und bin sehr gespannt, was das neue Jahr bringen wird.

Das war’s, 2010!

Ach ja: Das Wetter – es begann mit Schnee und Eis und endet auch so….

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Depeche Mode und ich …

22. Dezember 2010 3 Kommentare

sind wahrlich schon eine lange Zeit miteinander verbandelt. Meine Frau begleitet mich nun schon seit über 16 Jahren durchs Leben und wir haben zusammen viel erlebt. Keinen Moment möchte ich davon missen.

Und dennoch gibt es einen festen Punkt in meinem Leben, der mich noch länger begleitet. Und das ist meine Begeisterung für Depeche Mode, ihre Musik und was mit den Musikern an sich zu tun hat. Diese „Sucht“ begann schon früh. Bereits 1983, lange bevor ich meine Frau kennenlernte, begeisterte ich mich für diese damals noch recht neuartige elektronische Musik, die nicht aus irgendwelche gequälten E-Gitarren oder Schlagzeugen stammte. Mich begeisterte es, Musik zu hören, die aus gesampelten Geräusche und Tönen zusammengesetzt wurde. Mich faszinierte die Technik, die dahinter steckte. Keyboard, Synthesizer, Drumcomputer und vieles mehr, später ergänzt durch eine schnell wachsende Digitaltechnik, waren einfach mein Ding.

Gerne erinnere mich noch daran, das erste Mal die Klänge solcher Songs wie „Everything counts“ zu hören, deren Text und Inhalt sich mir damals nicht erschloss. Egal, mich interessierte der harte metallische Klang, der trotzdem melodiös klang und die Stimme von Sänger Dave Gahan. Schräg waren die Auftritte von Videos von Keyboarder und Songwriter Martin L. Gore. Spätestens mit dem Erscheinen von Songs wie „People are People“ und „Master and Servat“ nahm die weitere Begeisterung ihren Lauf. Nun musste ich möglichst alles kaufen, was von Depeche Mode an Platten in Deutschland erschien. LPs wie „Some great Reward“ gehörten nun einfach in den Plattenschrank, auch wenn Singles, Maxis etc. immer tiefe Löcher in das kleine Taschengeldbudget eines Schülers rissen. Aber es musste einfach sein.

Nur wenige meiner Freunde und Mitschüler teilten meine Begeisterung für Depeche Mode und ihre Musik. Die Meisten hörten lieber klassischen Rock oder irgendwelches anderes Zeug aus den Charts. Klar, auch andere Bands wie The Cure, U2 oder auch Dire Straits sagten mir zu, obwohl sie doch ganz anders klangen als die vier Jungs aus England.

1990 war es dann zum ersten Mal soweit. Als frisch gebackener Student machte ich mich auf den Weg nach Dortmund, um Depeche Mode live in der Westfalenhalle zu sehen. Obwohl ich nicht im Innenraum stand, sondern auf der Tribüne kannte die Begeisterung keine Grenzen. Die Songs von der neuen Platte „Violator“ live und in Farbe zu hören, war einfach großartig. Selten war meine Euphorie für Musik so groß wie bei diesem Konzert. Auch bei der nächsten „Devotional Tour“ 1993 war ich wieder in Dortmund dabei und reihte mich in die lange Schlange der „Devotees“ ein. Erschöpft und glücklich trat ich auch damals die Heimreise nach Bonn an, noch lange ein Summen und Piepsen im Ohr von der üblichen Konzertlautstärke. Egal, Hauptsache dabei sein.

Nur wenig später wurden meine Frau und ich ein Paar. Die Liebe zur elektronischen Musik schwächte sich ab und wandte sich mehr der menschlichen Seite zu. Ich habe dies bis heute keine Minute bereut und bin auch ein bisschen Stolz auf unsere langjährige Beziehung. Die Musik von Depeche Mode lies mich aber dennoch nicht los. Nur das Interesse an der Band schwand etwas, was sicher auch mit den internen Entwicklungen zu tun hatte. Dave Gahan glitt mehr und mehr in die Drogenszene ab und man konnte Mitte der 1990er Jahre kaum mehr hoffen, dass es noch einmal eine neue Platte geben und dass Gahan wieder clean würde. Doch, oh Wunder, beides geschah und die Erfolgsgeschichte der Band ging einfach wieder. Musikalisch machte sie manche Winkelzüge in rockerige Songs mit dem Einsatz von Gitarren und Schlagzeugen. Nicht alles gefiel mir, an manches musste ich mich erst gewöhnen. Allerdings ohne dass die rechte Begeisterung der früheren Jahre zurückkehrte. Dennoch blieb ich ein recht treuer Fan, kaufte weiterhin Platten und freute mich wenn, Depeche Mode im Radio lief.

Sonja und ich besuchten das „Singles-Tour“-Konzert 1998 zusammen in Köln. Damit nahmen wir, ohne es zu ahnen, quasi Abschied von den nordrhein-westfälischen Bühnen, denn im folgenden Jahr zog es uns gemeinsam nach Berlin. So vergingen einige Jahre, aber das Interesse für die Musik meiner Jugend blieb, wenn auch etwas abgeschwächt. Zu sehr waren die altgewohnten Klänge in meinem Ohr und die neueren Platten fanden wieder mehr meinen Zuspruch als die Ausflüge zu leicht rockigeren Titeln. Ich kann es nicht verleugen: Meine Vorliebe gehört viel mehr der elektronischen Musik, auch wenn diese manchmal als seelenlos abgetan wird.

2006 war es endlich wieder soweit! Diesmal zog es uns gemeinsam in die Berliner Wahlbühne und wir erlebten ein wunderbares Konzert in dieser ungewöhnlichen Location. Wir trafen durch Zufall unsere Nachbarn und hatten viel Spaß mit diesem Live-Auftritt. Die neue Platte, „Playing the Angel“ war einfach wieder viel mehr nach meinem Geschmack. Und der Text der Single „Precious“ berühmte mich tief.

Der absolute Höhepunkt meiner Beziehung zu Depeche Mode war natürlich das Jahr 2009. An unserem Hochzeitstag im Olympia-Stadion meine Lieblingsband zusammen mit meiner Frau zu sehen und zu hören, war einfach das Beste, was mir passieren konnte. Ein geniales Konzert, eine inspirierende Show und meine Frau dabei. Das war einfach klasse! Nur kurze Zeit später stand unser Umzug nach Erfurt an. Und wer hätte es gedacht? Depeche Mode kamen im November in unsere Landeshauptstadt und spielten in der Messehalle. Eine ganz andere Atmosphäre als ein Stadion-Konzert. Vielleicht etwas „intimer“, aber nicht minder ansprechend.

Noch heute läuft „Enjoy the Silence“ auf meinem Handy als Klingelton und nicht wenige Menschen blicken erstaunt auf, wenn sie Musik hören. Viele lächeln und sagen: „Das kenn ich doch“. Und dann weiß ich, dass ich nicht allein bin mit meinem Musikgeschmack auf den frühen 1980er Jahren. In den letzten Monaten habe ich zudem einige Biografie über die Mitglieder und die Band gelesen. Da wurde so manche Erinnerung wieder wach und vieles, das ich selbst empfunden hatte, wurde bestätigt. Ich bin gespannt, wie es mit Depeche Mode in den nächsten Jahren weitergeht. Eines ist jedoch sicher, mein Interesse an der Musik wird sicher nicht erlahmen.

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Ich bin dann mal zeitweise offline – zumindest tagsüber

Vor einigen Tagen habe ich eine Rezension zu Christoph Kochs „ich bin dann mal offline“ geschrieben und mir dabei so ein paar Gedanken gemacht. Dem einen oder anderen Bekannten wird es sicher aufgefallen sein. Seit gut drei Monaten bin ich wochentags kaum mehr in den sozialen Netzwerken unterwegs. Aus verschiedenen Sicherheitsgründen sind Facebook, Twitter etc. an meinem Arbeitsplatz in der Zentralklinik Bad Berka gesperrt. Die Integrität der Patientendaten und der medizinischen Systeme muss in einem Krankenhaus höchste Priorität haben. Das muss man einfach akzeptieren.

Und dennoch: Wenn man es gewohnt war, gelegentlich bei Facebook reinzuschauen, schnell einen Status-update via Twitter durchzugeben oder sich über das muntere Treiben seiner Freunde zu informieren, so stellt man doch recht schnell fest, da fehlt einem etwas, woran man sich gewöhnt hatte. Kommunikation ist immer in zwei oder mehr Richtungen gedacht und sollte auch so funktionieren. Nun fühlte ich mich ein wenig ausgegrenzt. Nicht absichtlich, aber irgendwie beschlich mich manchmal das Gefühl, nicht immer mitzubekommen, was so bei meinen Freunden und Bekannten passierte. Diese Empfindung wurde noch dadurch verstärkt, dass ich nun nicht mehr in Berlin lebe und arbeite und die Online-Kommunikation der Weg der Informationsvermittlung und der Beziehungspflege ist.

Nach drei Monaten des stundenweisen offline-Lebens habe ich mich gut daran gewöhnt. Auch die Tatsache, dass mein Handy aufgrund eines ungünstigen Standorts im Gebäude nicht erreichbar ist, ist irgendwie auch verschmerzbar. So bleibt mir zumindest eine kleine Freude, wenn ich abends zu meinem Auto gehe und das Handy nach wieder gewonnener Verbindung „pling“ macht und ein paar Emails sich aufs Display schieben. Es kann zwar manchmal ganz schön nervig sein, wenn man „ohne Netz“ ist, aber auch an diesen stundenweisen Zustand kann man sich gewöhnen. 

Und wenn ich ehrlich bin, so schlimm ist auch nicht, nicht ständig bei Facebook, Twitter und Konsorten reinschauen zu können. Vieles von dem, das da geschrieben wird, ist nicht so brandaktuell und wichtig, dass es nicht auch ein paar Stunden gelesen werden könnte. Ein Ablenkungsfaktor am Arbeitsplatz fällt somit weg, aber der Verlust hält sich wahrlich in Grenzen.

Wenn ich abends mich zuhause einlogge und nachschaue, was so in meinem Netzwerk passiert ist, muss ich oft stellen, dass viele Dinge nicht so bedeutend sind, dass man sie sofort erfahren muss. Und der Informtionsgehalt von „300+“ neuen Nachrichten bei Facebook ist in der Regel auch sehr überschaubar. Da reicht oftmals ein schneller Blick über die Ereignisse des Tages und die Links, die eine gute Seele gepostet hat. Gerade diese sind eigentlich interessanter, zeigen sie mir doch nicht selten spannende Artikel oder Blogs auf zu verschiedensten Themen. Das möchte ich nun wahrlich nicht missen. 

Letztlich ist es eigentlich ganz gut, wenn man nicht immer online ist und ständigen Zugriff auf die sozialen Netze hat. Der Wunsch, immer dabei zu sein, lässt schnell nach und man besinnt sich wieder auf „alternative Kommunikationsmethoden“ wie Festnetz und Email. Und siehe da: Der Kontakt zu den Leuten bleibt auch weiterhin bestehen, wenn man sich nur selbst darum bemüht. Es geht also doch, mal offline zu sein – zumindest stundenweise. Ob ich allerdings so einen 40-Tage-Offline-Test machen möchte, wie Christoph Koch ihn durchgeführt hat, weiß ich nicht. Eine paar Stunden offline-Sabbat sind ja auch schon genug.

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