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Ich bin dann mal zeitweise offline – zumindest tagsüber

Vor einigen Tagen habe ich eine Rezension zu Christoph Kochs „ich bin dann mal offline“ geschrieben und mir dabei so ein paar Gedanken gemacht. Dem einen oder anderen Bekannten wird es sicher aufgefallen sein. Seit gut drei Monaten bin ich wochentags kaum mehr in den sozialen Netzwerken unterwegs. Aus verschiedenen Sicherheitsgründen sind Facebook, Twitter etc. an meinem Arbeitsplatz in der Zentralklinik Bad Berka gesperrt. Die Integrität der Patientendaten und der medizinischen Systeme muss in einem Krankenhaus höchste Priorität haben. Das muss man einfach akzeptieren.

Und dennoch: Wenn man es gewohnt war, gelegentlich bei Facebook reinzuschauen, schnell einen Status-update via Twitter durchzugeben oder sich über das muntere Treiben seiner Freunde zu informieren, so stellt man doch recht schnell fest, da fehlt einem etwas, woran man sich gewöhnt hatte. Kommunikation ist immer in zwei oder mehr Richtungen gedacht und sollte auch so funktionieren. Nun fühlte ich mich ein wenig ausgegrenzt. Nicht absichtlich, aber irgendwie beschlich mich manchmal das Gefühl, nicht immer mitzubekommen, was so bei meinen Freunden und Bekannten passierte. Diese Empfindung wurde noch dadurch verstärkt, dass ich nun nicht mehr in Berlin lebe und arbeite und die Online-Kommunikation der Weg der Informationsvermittlung und der Beziehungspflege ist.

Nach drei Monaten des stundenweisen offline-Lebens habe ich mich gut daran gewöhnt. Auch die Tatsache, dass mein Handy aufgrund eines ungünstigen Standorts im Gebäude nicht erreichbar ist, ist irgendwie auch verschmerzbar. So bleibt mir zumindest eine kleine Freude, wenn ich abends zu meinem Auto gehe und das Handy nach wieder gewonnener Verbindung „pling“ macht und ein paar Emails sich aufs Display schieben. Es kann zwar manchmal ganz schön nervig sein, wenn man „ohne Netz“ ist, aber auch an diesen stundenweisen Zustand kann man sich gewöhnen. 

Und wenn ich ehrlich bin, so schlimm ist auch nicht, nicht ständig bei Facebook, Twitter und Konsorten reinschauen zu können. Vieles von dem, das da geschrieben wird, ist nicht so brandaktuell und wichtig, dass es nicht auch ein paar Stunden gelesen werden könnte. Ein Ablenkungsfaktor am Arbeitsplatz fällt somit weg, aber der Verlust hält sich wahrlich in Grenzen.

Wenn ich abends mich zuhause einlogge und nachschaue, was so in meinem Netzwerk passiert ist, muss ich oft stellen, dass viele Dinge nicht so bedeutend sind, dass man sie sofort erfahren muss. Und der Informtionsgehalt von „300+“ neuen Nachrichten bei Facebook ist in der Regel auch sehr überschaubar. Da reicht oftmals ein schneller Blick über die Ereignisse des Tages und die Links, die eine gute Seele gepostet hat. Gerade diese sind eigentlich interessanter, zeigen sie mir doch nicht selten spannende Artikel oder Blogs auf zu verschiedensten Themen. Das möchte ich nun wahrlich nicht missen. 

Letztlich ist es eigentlich ganz gut, wenn man nicht immer online ist und ständigen Zugriff auf die sozialen Netze hat. Der Wunsch, immer dabei zu sein, lässt schnell nach und man besinnt sich wieder auf „alternative Kommunikationsmethoden“ wie Festnetz und Email. Und siehe da: Der Kontakt zu den Leuten bleibt auch weiterhin bestehen, wenn man sich nur selbst darum bemüht. Es geht also doch, mal offline zu sein – zumindest stundenweise. Ob ich allerdings so einen 40-Tage-Offline-Test machen möchte, wie Christoph Koch ihn durchgeführt hat, weiß ich nicht. Eine paar Stunden offline-Sabbat sind ja auch schon genug.

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