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Depeche Mode und ich …

sind wahrlich schon eine lange Zeit miteinander verbandelt. Meine Frau begleitet mich nun schon seit über 16 Jahren durchs Leben und wir haben zusammen viel erlebt. Keinen Moment möchte ich davon missen.

Und dennoch gibt es einen festen Punkt in meinem Leben, der mich noch länger begleitet. Und das ist meine Begeisterung für Depeche Mode, ihre Musik und was mit den Musikern an sich zu tun hat. Diese „Sucht“ begann schon früh. Bereits 1983, lange bevor ich meine Frau kennenlernte, begeisterte ich mich für diese damals noch recht neuartige elektronische Musik, die nicht aus irgendwelche gequälten E-Gitarren oder Schlagzeugen stammte. Mich begeisterte es, Musik zu hören, die aus gesampelten Geräusche und Tönen zusammengesetzt wurde. Mich faszinierte die Technik, die dahinter steckte. Keyboard, Synthesizer, Drumcomputer und vieles mehr, später ergänzt durch eine schnell wachsende Digitaltechnik, waren einfach mein Ding.

Gerne erinnere mich noch daran, das erste Mal die Klänge solcher Songs wie „Everything counts“ zu hören, deren Text und Inhalt sich mir damals nicht erschloss. Egal, mich interessierte der harte metallische Klang, der trotzdem melodiös klang und die Stimme von Sänger Dave Gahan. Schräg waren die Auftritte von Videos von Keyboarder und Songwriter Martin L. Gore. Spätestens mit dem Erscheinen von Songs wie „People are People“ und „Master and Servat“ nahm die weitere Begeisterung ihren Lauf. Nun musste ich möglichst alles kaufen, was von Depeche Mode an Platten in Deutschland erschien. LPs wie „Some great Reward“ gehörten nun einfach in den Plattenschrank, auch wenn Singles, Maxis etc. immer tiefe Löcher in das kleine Taschengeldbudget eines Schülers rissen. Aber es musste einfach sein.

Nur wenige meiner Freunde und Mitschüler teilten meine Begeisterung für Depeche Mode und ihre Musik. Die Meisten hörten lieber klassischen Rock oder irgendwelches anderes Zeug aus den Charts. Klar, auch andere Bands wie The Cure, U2 oder auch Dire Straits sagten mir zu, obwohl sie doch ganz anders klangen als die vier Jungs aus England.

1990 war es dann zum ersten Mal soweit. Als frisch gebackener Student machte ich mich auf den Weg nach Dortmund, um Depeche Mode live in der Westfalenhalle zu sehen. Obwohl ich nicht im Innenraum stand, sondern auf der Tribüne kannte die Begeisterung keine Grenzen. Die Songs von der neuen Platte „Violator“ live und in Farbe zu hören, war einfach großartig. Selten war meine Euphorie für Musik so groß wie bei diesem Konzert. Auch bei der nächsten „Devotional Tour“ 1993 war ich wieder in Dortmund dabei und reihte mich in die lange Schlange der „Devotees“ ein. Erschöpft und glücklich trat ich auch damals die Heimreise nach Bonn an, noch lange ein Summen und Piepsen im Ohr von der üblichen Konzertlautstärke. Egal, Hauptsache dabei sein.

Nur wenig später wurden meine Frau und ich ein Paar. Die Liebe zur elektronischen Musik schwächte sich ab und wandte sich mehr der menschlichen Seite zu. Ich habe dies bis heute keine Minute bereut und bin auch ein bisschen Stolz auf unsere langjährige Beziehung. Die Musik von Depeche Mode lies mich aber dennoch nicht los. Nur das Interesse an der Band schwand etwas, was sicher auch mit den internen Entwicklungen zu tun hatte. Dave Gahan glitt mehr und mehr in die Drogenszene ab und man konnte Mitte der 1990er Jahre kaum mehr hoffen, dass es noch einmal eine neue Platte geben und dass Gahan wieder clean würde. Doch, oh Wunder, beides geschah und die Erfolgsgeschichte der Band ging einfach wieder. Musikalisch machte sie manche Winkelzüge in rockerige Songs mit dem Einsatz von Gitarren und Schlagzeugen. Nicht alles gefiel mir, an manches musste ich mich erst gewöhnen. Allerdings ohne dass die rechte Begeisterung der früheren Jahre zurückkehrte. Dennoch blieb ich ein recht treuer Fan, kaufte weiterhin Platten und freute mich wenn, Depeche Mode im Radio lief.

Sonja und ich besuchten das „Singles-Tour“-Konzert 1998 zusammen in Köln. Damit nahmen wir, ohne es zu ahnen, quasi Abschied von den nordrhein-westfälischen Bühnen, denn im folgenden Jahr zog es uns gemeinsam nach Berlin. So vergingen einige Jahre, aber das Interesse für die Musik meiner Jugend blieb, wenn auch etwas abgeschwächt. Zu sehr waren die altgewohnten Klänge in meinem Ohr und die neueren Platten fanden wieder mehr meinen Zuspruch als die Ausflüge zu leicht rockigeren Titeln. Ich kann es nicht verleugen: Meine Vorliebe gehört viel mehr der elektronischen Musik, auch wenn diese manchmal als seelenlos abgetan wird.

2006 war es endlich wieder soweit! Diesmal zog es uns gemeinsam in die Berliner Wahlbühne und wir erlebten ein wunderbares Konzert in dieser ungewöhnlichen Location. Wir trafen durch Zufall unsere Nachbarn und hatten viel Spaß mit diesem Live-Auftritt. Die neue Platte, „Playing the Angel“ war einfach wieder viel mehr nach meinem Geschmack. Und der Text der Single „Precious“ berühmte mich tief.

Der absolute Höhepunkt meiner Beziehung zu Depeche Mode war natürlich das Jahr 2009. An unserem Hochzeitstag im Olympia-Stadion meine Lieblingsband zusammen mit meiner Frau zu sehen und zu hören, war einfach das Beste, was mir passieren konnte. Ein geniales Konzert, eine inspirierende Show und meine Frau dabei. Das war einfach klasse! Nur kurze Zeit später stand unser Umzug nach Erfurt an. Und wer hätte es gedacht? Depeche Mode kamen im November in unsere Landeshauptstadt und spielten in der Messehalle. Eine ganz andere Atmosphäre als ein Stadion-Konzert. Vielleicht etwas „intimer“, aber nicht minder ansprechend.

Noch heute läuft „Enjoy the Silence“ auf meinem Handy als Klingelton und nicht wenige Menschen blicken erstaunt auf, wenn sie Musik hören. Viele lächeln und sagen: „Das kenn ich doch“. Und dann weiß ich, dass ich nicht allein bin mit meinem Musikgeschmack auf den frühen 1980er Jahren. In den letzten Monaten habe ich zudem einige Biografie über die Mitglieder und die Band gelesen. Da wurde so manche Erinnerung wieder wach und vieles, das ich selbst empfunden hatte, wurde bestätigt. Ich bin gespannt, wie es mit Depeche Mode in den nächsten Jahren weitergeht. Eines ist jedoch sicher, mein Interesse an der Musik wird sicher nicht erlahmen.

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Kategorien:Das Leben Schlagwörter: ,
  1. DET
    28. Dezember 2010 um 20:41

    Hallo Stephan, danke erstmal für deine schöne Kolumne, mit der du vielen aus dem herzen gesprochen hast.

    da zeigt sich wieder, das die Musik einer band viele Menschen verbindet und die diese mit anderen teilt.

    ich selbst bin seit 1982 Mod-Fan und habe 1984 meine Frau kennen gelernt, die bis heute mit mir meine musikalische Richtung teilt!

    in diesem sinne
    es grüßt DET

  2. 10. Februar 2011 um 17:11

    Beste Band der Welt, jede Woche seit 86 habe ich ein neues Lieblingslied. Depeche forever!

  1. 23. Dezember 2010 um 13:55

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