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Posts Tagged ‘Erfurt’

Und jetzt: Das Wetter…

Eigentlich ist das Wetter ja kein Thema, zu dem man unbedingt etwas schreiben muss. Schließlich kriegt jeder das Wetter ständig mit und man kann überall darüber lesen. Sei es im Wetterbericht oder auch bei täglichen Katastrophenmeldungen, die von irgendwelchen Unglücken weltweit berichten.

Und dennoch: Das Wetter hier in Thüringen hat mich doch zuletzt echt beeindruckt. Nur innerhalb weniger Tage hat es sich völlig gewandelt und ein ganz anderes Gesicht gezeigt. Vor zwei Wochen saß ich noch in T-Shirt und dünnem Pullover im Garten und ließ mir die Sonne auf den Pelz brennen. Frau und Kinder saßen am Gartentisch und stachen bei 16 Grad die ersten Weihnachtsplätzchen aus. Da dachte bei mir: Nun ist er da, der viel beschworene Klimawandel. Ist ja auch nicht normal, bei strahlendem Sonnenschein auf der Terrasse Plätzchen zu backen. Nun gut. Warum eigentlich nicht?

Dieser klimatische Segen hielt jedoch nur noch kurz an. Und dann war er wieder da: Der Thüringer Nebel, der mich nun schon seit Wochen hier morgens begleitet. Seitdem ich am 1. September in der Zentralklinik angefangen, habe ich schon unzählige Morgen mit Nebel erlebt. Mal war es eine richtig dicke Suppe, ein anderes Mal waberte der Nebel gerade ‚romantisch‘ über die Felder neben der Stadt. Fast als hätte Caspar David Friedrich seine Hand im Spiel gehabt. Schönste Herbstzeit, auch wenn sie nur kurz anhielt.

Nur blieb auch diese morgendliche Pracht leider nicht sehr lange. Inzwischen hat mich nun der Winter eingeholt und der Klimawandel scheint erst einmal abgeblasen. Innerhalb wieder Tage hat das Wetter komplett umgeschlagen und der erste Schnee hat sich festgesetzt. Allerdings nicht überall. Während hier „unten“ in Erfurt noch fast alles grün war, lag „oben“ auf dem Weg nach Bad Berka schon tiefer Schnee. Man mag es kaum glauben, dass sich die Welt so innerhalb einer kurzen Strecke von wenigen Kilometern so völlig verändert. Noch genieße ich die Fahrten durch die Schneewelt, denn die Straßen sind ja frei. Ob das allerdings noch lange so bleiben wird… Allerdings ist der Winter nun auch bis ins Tal hinab gestiegen und die Schneeschippe ist wieder in Aktion. Morgens um 6 Uhr natürlich ein echtes Vergnügen….

Und ich bin gespannt, welche Kapriolen das Wetter in den nächsten Tagen noch für mich bereit hält. Und noch spannender ist ja die Frage, ob wir dieses Jahr wieder weiße Weihnacht haben werden.

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Bye, Bye Bundestag

27. August 2010 1 Kommentar

Nun geht eine lange Zeit zu Ende. Über elf Jahre habe ich im Bundestag gearbeitet. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Büroleiter von insgesamt vier Abgeordneten. Die Zeiten, in denen ich für die Abgeordneten jeweils gearbeitet habe, waren sehr unterschiedlich. Mal nur zehn Monate, mal sieben Jahre. Aber jedes Mal war es eine spannende, eine aufregende Zeit. Ich habe sehr viel erlebt und gelernt in all den Jahren.

Ich hatte Gelegenheit, Politik hautnah mitzuerleben und auch ein bisschen mitzugestalten. Viele Menschen habe ich getroffen und kennen gelernt. Die einen sehr gut, die anderen weniger. Da waren viele dabei, an dich noch oft und gerne zurückdenken werde. Einige gute Freundschaften sind entstanden, die auch die Entfernung nach Erfurt überstehen werden. Da bin ich mir sicher.

Es gab viele spannende Momente. Rückritte und Neuanfänge, spannende und weniger spannende Sitzungen, in denen mich nur der spitze Ellenbogen der Kollegin in meinen Rippen vor dem Einnicken rettete. Oftmals ging es hektisch zu, gerade in den Sitzungswochen, wenn alles auf einmal fertig und erledigt sein musste. Ja, ich habe da so meine Erfahrungen gemacht… Nach geschätzten 250 Sitzungswochen in diesen elf Jahren ist mir nicht Menschliches mehr fremd.

Oppositions- und Regierungszeit habe ich miterlebt. Da gab es einige hitzige Auseinandersetzungen und stille Übereinkunft. Manch guter sinnvoller Antrag musste aus Gründen der Fraktions- und Koalitionsräson abgelehnt werden, obwohl man innerlich Bauchschmerzen hatte. Aber nur allzu oft gerieten wir in die gleiche Situation und ein guter Ansatz wurde von den Regierungsfraktionen mit fadenscheinigen Begründungen zunichte gemacht. Aber so ist das eben in der Politik. Da zählen eben nicht immer Argumente, sondern Mehrheiten.

Es gäbe genügend lustige und nachdenkliche Geschichte zu erzählen, von Begegnungen zu berichten und im Nachhinein auch manches anders zu machen. Aber nun ist es vorbei und ich behalte die schönen Erinnerungen zurück. Vielleicht finde ich einmal Gelegenheit, ein paar dieser Erlebnisse aufzuschreiben und publik zu machen. Mancher würde sich sicher darin wieder erkennen, manche Erinnerung mag man vielleicht nicht wieder aufleben lassen. Das alles aufzuschreiben und Revue passieren zu lassen, braucht aber Zeit und sollte nach meiner Meinung erst ein wenig reifen. Über manch skurrile Begebenheit oder seltsame Aufgabe, die ich erledigt habe, wäre zu berichten. Aber auch der „Bürger an sich“ käme sicherlich zu kurz

Nun ist es an der Zeit, sich neuen Aufgaben zuzuwenden und wieder ein geordnetes Familienleben aufzunehmen. Die Pendelei zwischen Erfurt und Berlin hat ein Ende, ich werde sie nicht vermissen. Vermissen werde ich all die guten Freunde und Kollegen, mit denen sich in den letzten Jahren so viel Zeit verbracht habe. Wir haben viel zusammen gelacht und manch menschliches Problem erörtert. Ich mochte die Vertrautheit und das gute Gefühl, immer ein paar zuverlässige Leute an meiner Seite zu haben.

Aber die Welt dreht sich weiter und nun will ich voller Spannung und auch ein bisschen Nervosität in die Zukunft blicken. Ich freue mich sehr, wieder täglich bei meiner Frau und den Kindern zu sein und abends im besten Sinne „nach Hause“ zu kommen. Das mag furchtbar spießig klingen, aber irgendwie wünschen sich doch die meisten Menschen, die ich kennen gelernt habe, nach einem festen Punkt im Leben. Ich will sehen, wie meine Kinder aufwachsen und meinen Beitrag leisten, dass es ihnen gut geht. Ich freue mich auf die neuen beruflichen Aufgaben und all das, was da auf mich zukommt. Ich bin gespannt, in welches soziale Umfeld ich komme und welche neuen Kolleginnen und Kollegen ich kennen lernen werde.

All denen, mit denen ich in den vergangenen elf Jahren zusammengearbeitet habe, danke ich für die gute Zeit, die wir hatten. Gerne werde ich daran zurückdenken. In diesem Sinne: Bye, bye Bundestag.

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Herbstzeit im Hochsommer

14. August 2010 1 Kommentar

Dienstagmorgen, kurz nach halb sieben, unterwegs im ICE Richtung Berlin. Draußen ist es kühl, feucht und regnerisch. Grau und schwer hängen die Wolken über der Stadt. Erfurt ist an diesem Morgen nicht sehr einladend. Langsam setzt sich der Zug in Richtung Osten in Bewegung, vorbei an Baustellen und kleinen Orten. Es ist August, in diesen Momenten fühlt es sich eher wie Oktober an.

Und doch: kurz hinter Weimar, nur wenige Kilometer nach dem Start reißt der Himmel ein wenig auf und die Sonne bricht verhalten durch. Leichter Nebel steigt auf, die feuchte Luft hängt über den Feldern. Eine geradezu malerische Stimmung entsteht und erhellt das Gemüt. Caspar David Friedrich hätte seine Freude an der Szene gehabt. Ich wünsche mir, ich könnte den Zug für einige Minuten anhalten, um auszusteigen und die Eindrücke mit der Kamera festzuhalten. So bleiben nur das Gedächtnis und die Empfindung, dass es irgendwie doch schon ein wenig Herbst sein muss.

Dies ist nicht der Hochsommer, den man sich für August vorstellt. Statt Hitzewelle, vertrockneter Felder und staubiger Straßen liegt kühler Nebel über Feldern und Wäldern und stimmt ein wenig melancholisch. Ein Feldhase überquert eine Wiese und sucht nach etwas Fressbarem. Eine angenehme Stille. Nur das leise Rattern des Zuges ist zu hören, die meisten Mitreisenden schlafen oder widmen sich ihrer Lektüre. Nicht einmal die sonst üblichen Handy-Gespräche oder das Geklapper der Laptops sind zu hören. Ich blicke weiter hinaus und genieße das weiche Licht durch die dünnen Wolken, das eine fast zauberhafte Stimmung in den Morgenhimmel zeichnet.

Das Saaletal speichert geradezu die Feuchtigkeit der Nacht und ringt mit Regen und Sonnenschein, ohne sich recht entscheiden zu können. Vorerst obsiegt die Sonne und kämpft sich durch die Wolken. Schnell erreicht der ICE Naumburg, das noch vom Nebel eingeschlossen ist. Nur die Türme der Kirchen ragen aus dem Dunst hervor und die Silhouetten der Häuser sind im trüben Gegenlicht zu sehen. Auch hier bleibt der Eindruck, ein Maler hätte sich die Zeit genommen, das Gesehene auf der Leinwand festzuhalten und für die Ewigkeit zu bewahren. Weiter geht es Richtung Osten. Die Bewölkung wird wieder dichter, das Grau des Himmels wieder dunkler und ein paar Tropfen Regen zerfließen an den Scheiben. Leipzig kann sich auch noch nicht gegen diese herbstliche Jahreszeit wehren und die Sonne ist nur zu erahnen. Erst kurz vor Berlin öffnen sich wieder die Wolken und lassen das Licht hindurch. Hier ist die Kühle des Morgens schon einer schwülen Feuchte gewichen, die mich kaum dazu motiviert, den Koffer neben der wieder einmal defekten Rolltreppe der U-Bahn hoch zu schleppen. Noch ein paar Schritte bis zum Büro, ein neuer Arbeitstag beginnt. Ein echter Sommer ist das aber noch immer nicht.

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