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Posts Tagged ‘Fotografie’

Immer wieder Ostsee…

Eine Woche Ostseeurlaub in Rerik. Da kann man was erleben. Zumindest wettermäßig. Ein paar ruhige Tage haben wir mit den Kindern und Berliner Freunden an der größten „Badewanne“ der Republik verbracht. Gestartet sind wir in Erfurt bei miesem Wetter und Nieselregen. Eigentlich kein guter Auftakt für einen Urlaub, aber je weiter wir nach Norden kamen, desto besser wurde das Wetter. Pünktlich beim Erreichen der Landesgrenze von Meck-Pomm hörte der Regen auf und bald kam auch die Sonne heraus.

Und wieder einmal zeigte sich: Das Wetter an der Küste wechselt stündlich, so dass man stets für alle Eventualitäten gerüstet sein sollte. Will heißen: Wir hatten das volle Programm. Sonne und Wärme, leichte Brise und ordentlich Sturm, Regen, Hagel und auch ein bisschen Morgenfrost auf der Autoscheibe auf dem Weg zum Bäcker. Es ist einfach klasse zu erleben, wie man den Elementen ausgeliefert ist. Gerade wenn man aus Städten wie Berlin oder nun Erfurt kommt, merkt man erst wie viel Kraft doch in den Erscheinungen des Wetters steckt. Es ist ein gutes Gefühl, auf der Seebrücke zu stehen und der Wind bläst einen fast um.  

Die Kinder haben die Tage die Tage am Meer genossen, konnten sie doch ungehindert draußen rumtoben, buddeln und am Strand lang rennen. Dazwischen immer radeln, Roller fahren und oder das kleine gelbe Laufrad über den Radweg treiben. Und wenn die Beine müde wurden, war meist ein Bollerwagen zur Stelle, um die Strandsportler wieder einzusammeln. Meist hielten diese Phasen der Ruhe nur kurz an und weiter ging es. Den Strand entlang, Muscheln suchen, mit dem Kescher irgendwelches Zeugs aus dem Wasser fischen oder einfach nur eine Sandburg bauen oder Kuchen backen. Da macht es auch nicht aus, wenn der Wind kühl um die Nase pfeift oder die Sonne ins Auge sticht. Hauptsache draußen sein und zusammen Spaß haben.  

Was gab es noch? Den obligatorischen Shopping-Ausflug nach Rostock, frische Fischbrötchen bei Backfisch-Udo am alten Hafen von Warnemünde und die Fahrt mit dem Dampfzug „Molli“. Und wieder einmal zeigte sich: Der ganze Hype um das Seebad Heiligendamm, das vor einigen Jahren Schauplatz von Debatten und Demonstrationen war, ist völlig umsonst. Der Ort liegt irgendwie noch immer im Schlaf und sieht an manchen Stellen aus wie etwa 1985 – DDR inklusive. Verfallene Altbauten, eingeschlagene Fenster und niemand, der renoviert und saniert. Dazwischen eine moderne Kurklinik und das berühmte Luxushotel. Wehe dem, den es hier zur Kur verschlägt. Da ist die Einöde schon Therapie genug. Wer da nicht auf dumme Gedanken kommt… 

Nun ist die Woche Urlaub an der Ostsee schon leider wieder vorbei. Mitgenommen haben wir neben den Erinnerungen und den guten Gesprächen vor allem ein paar Wäscheberge und über 4 GB Bilddaten auf der Speicherkarte. Über 700 Fotos wollen in den nächsten Tagen und Wochen gesichtet, aussortiert und bearbeitet werden. Viele Schnappschüsse der Kinder und Freunde werden dabei, manch misslungener Fotoversuch im Gegenlicht. Aber hoffentlich auch die eine oder andere brauchbare Aufnahme, die die schönen Seiten eines Urlaubs an der Ostsee im Herbst zeigt. Doch davon später mehr auf diesem Kanal.

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Foto des Tages: „Kläranlage“

Eine etwas altertümlich anmutende „Kläranlage“  nahe Zeulenroda, Thüringen.  Juli 2010.

Ob diese Einrichtung wohl noch den Vorschriften entspricht?

Die kontemplative Seite der Bildbearbeitung

6. August 2010 1 Kommentar

Fotografieren ist eine Form des Ausgleichs, die ich gerne pflege. Es macht einfach Spaß, durch Straßen und Landschaften zu ziehen und die Eindrücke festzuhalten. Ganz gleich ob Architektur, Natur oder Menschen. Alles hat seinen eigenen Reiz und Schönheit. Doch irgendwie ist man auch immer auf der Jagd nach interessanten Motiven und guten Bildern. Nur allzu leicht gerät dabei der Gedanke der Entspannung, die das Hobby eigentlich bringen soll, in den Hintergrund. Der Wunsch, das „perfekt Bild“, das es ja sowieso nicht gibt, zu machen, ist doch oft vorhanden. Da hilft nur, sich manchmal selbst ein wenig zurückzunehmen und die Eindrücke erst einmal wirken zu lassen.

Einmal mehr bleibt da die Bildbearbeitung als die Möglichkeit, sich selbst auf die gemachten Fotos zu konzentrieren und sich intensiver mit ihnen zu beschäftigen. Gerade diese Zeit bedeutet für mich Ruhe und Entspannung. Einfach ein Moment der Einkehr, wenn man nur das leise Klicken der Maus oder des Grafiktabletts hört. Es ist auch die Gelegenheit, das Gesehene, das nun in digitaler Form auf dem Monitor erscheint, noch einmal zu verinnerlichen und sich Gedanken zu machen. Da geht es nicht darum, das Bild „schöner“ oder attraktiver zu machen, damit es noch mehr User in den einschlägigen Foren bejubeln und mit geistreichen Kommentaren versehen. Vielmehr ist es eine Zeit, in der es sich lohnt, die Eindrücke, die einen dazu bewegt haben, das Foto zu machen, noch einmal zu rekapitulieren und sich fröhlicher, aber manchmal auch nachdenklicher Momente zu erinnern. All dies lässt sich für mich verbinden, wenn ich vor dem Monitor sitze und die Aufnahmen betrachte und bearbeite. Auch hier gilt: oft ist weniger mehr, um den Eindruck des Fotos nicht durch eine intensive Bearbeitung zu sehr zu verfälschen. Was bleibt ist die Einsicht, dass man diese Minuten der Ruhe der Bearbeitung nutzen sollte, sich all die Erinnerungen und Empfindungen, die man mit dem Foto verbindet, zurückzuholen und diese zu verarbeiten. Dann ist der Kopf schnell wieder frei für die nächste „Jagd“ nach neuen Ideen, Eindrücken und Aufnahmen.

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C/O Berlin muss bleiben

Eine der besten und innovativsten Galerien für Fotografie ist in ihrer Existenz bedroht. Weil sich der Berliner Senat nicht rechtzeitig entschließen konnte zu helfen, muss die bekannte Kunsteinrichtung C/O Berlin wohl bald aus dem Postfuhramt an der Oranienburger Straße in Mitte weichen. Seit rund fünf Jahren präsentiert die Galerie bekannte und renommierte Fotografen in einem ungewöhnlichen Ambiente. Statt moderner Stahl-, Glas- und Betonarchitektur herrscht hier noch immer der Charme des 19. Jahrhunderts vor. Zwischen Fotografien von Annie Leibovitz, Martin Parr und Henri Cartier-Bresson hingen und hängen hier Aufnahmen junger, interessanter Nachwuchsfotografen. Gerade diese bunte Mischung unterschiedlicher Stilrichtungen der Fotografie, der Themen und Darstellungsweisen macht den Reiz von C/O Berlin aus.

Damit wird nun wohl bald Schluss sein, zumindest im historischen Postfuhramt mit seiner zerschlissenen Einrichtung, mit all den defekten Türen und zerkratzten Wänden. Damit dies nicht so kommt, ist der Berliner Senat ausgerufen, dieses fast einmalige Kunstkonzept zu bewahren und Verantwortung zu übernehmen. Was bereits vor Jahren hätte geschehen müssen, muss nun verwirklicht werden. Der Weggang von C/O Berlin aus Mitte wäre ein echter Verlust für die Kunstszene Berlins und Rückschlag für all diejenigen, für die Fotografie mehr ist als bloßes Abbilden des täglichen Lebens.

Heute hatte ich Gelegenheit, die Ausstellung „MAGNUM . Shifting Media . New Role of Photography” zu sehen. Beeindruckend! Die Vielzahl der unterschiedlichsten Aufnahmen von den bekannten Magnum-Fotografen zeigen eine Welt, in der nicht alles bunt, schön und inszeniert ist. Sie zeigen in ihrem Reportagestil oftmals die raue und schmerzliche Wirklichkeit und menschliches Leid. Sie verstecken nicht das Bild von Leid, Elend und Tod. Aber gerade dadurch zeichnen sich die Fotografen durch ihre große Humanität aus. Sie zeigen in vielen Fotos das, wovor wir heute zumeist die Augen verschließen. Die Magnum-Fotografen haben in ihrem Metier großartiges geleistet und der Welt in vieler Hinsicht die Augen geöffnet. Schon allein daher lohnt sich ein Besuch der Ausstellung bei C/O Berlin in diesen Tagen allemal.

C/O Berlin

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