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Herbstanfang

23. September 2010 1 Kommentar

Auf dem Weg zu Schule und Büro. Tief hängt der Nebel in den Feldern neben der Schnellstraße. Nur ein paar hohe Baumwipfel und ein Kirchturm recken sich aus der weißen Pracht hervor. Fast sieht es wie Watte aus, die dort die Landschaft bedeckt. Unwillkürlich verlangsame ich und schaue aus dem Fenster. Ein toller Anblick, der sich bietet. Die Morgensonne geht wie ein riesiger Feuerball am Horizont auf und färbt die leichten Wolken rosa bis orange-rot. Einzelne Lichtstrahlen durchbrechen die dichte Nebeldecke auf dem Boden und lassen das Weiß aufleuchten.

Nur ein Stückchen weiter durchschneidet die Straße die Nebelbank. Die Feuchtigkeit verbleibt über den kalten Feldern und steigt dort auf. Gerne würde ich anhalten und zu Fuß weitergehen und fotografieren. Auf einer Schnellstraße ist dies jedoch leider die falsche Idee. So bleiben nur der optische Eindruck und der Wunsch, gelegentlich noch einmal einen solch prächtigen Eindruck zu haben. Und dann sollte die Kamera dabei sein. Heute ist Herbstanfang. Da sind sicherlich noch mehr solcher Anblicke zu erwarten.

 Auf dem Weg zum Büro fahre durch Wald. Auch hier ein ähnlicher Anblick. Nebelschwaden und das Morgenlicht, das durch die noch dichte Blätterdecke drängt. Es dampft und man kann die Feuchtigkeit der Nacht förmlich spüren. Doch auch dieser Moment vergeht viel zu schnell und es bleibt nur die schemenhafte Erinnerung an eine Natur, die man nur allzu selten wahrnimmt.

Nach 11 Jahren in Berlin und leben in der Großstadt muss ich mich offenbar erst wieder an den Anblick von so viel „Grün“ und Natur gewonnen. Aber: es gefällt mir von Tag zu Tag mehr. Wenn ich dann in Bad Berka oben auf dem „grünen Hügel“ ankomme, ist es kälter, aber die Luft ist klar und nicht voller Abgase. Kein Wunder, dass hier früher Lungenkranke zur Behandlung herkamen. Da fällt der Weg zum Büro doch gleich viel leichter.

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Herbstzeit im Hochsommer

14. August 2010 1 Kommentar

Dienstagmorgen, kurz nach halb sieben, unterwegs im ICE Richtung Berlin. Draußen ist es kühl, feucht und regnerisch. Grau und schwer hängen die Wolken über der Stadt. Erfurt ist an diesem Morgen nicht sehr einladend. Langsam setzt sich der Zug in Richtung Osten in Bewegung, vorbei an Baustellen und kleinen Orten. Es ist August, in diesen Momenten fühlt es sich eher wie Oktober an.

Und doch: kurz hinter Weimar, nur wenige Kilometer nach dem Start reißt der Himmel ein wenig auf und die Sonne bricht verhalten durch. Leichter Nebel steigt auf, die feuchte Luft hängt über den Feldern. Eine geradezu malerische Stimmung entsteht und erhellt das Gemüt. Caspar David Friedrich hätte seine Freude an der Szene gehabt. Ich wünsche mir, ich könnte den Zug für einige Minuten anhalten, um auszusteigen und die Eindrücke mit der Kamera festzuhalten. So bleiben nur das Gedächtnis und die Empfindung, dass es irgendwie doch schon ein wenig Herbst sein muss.

Dies ist nicht der Hochsommer, den man sich für August vorstellt. Statt Hitzewelle, vertrockneter Felder und staubiger Straßen liegt kühler Nebel über Feldern und Wäldern und stimmt ein wenig melancholisch. Ein Feldhase überquert eine Wiese und sucht nach etwas Fressbarem. Eine angenehme Stille. Nur das leise Rattern des Zuges ist zu hören, die meisten Mitreisenden schlafen oder widmen sich ihrer Lektüre. Nicht einmal die sonst üblichen Handy-Gespräche oder das Geklapper der Laptops sind zu hören. Ich blicke weiter hinaus und genieße das weiche Licht durch die dünnen Wolken, das eine fast zauberhafte Stimmung in den Morgenhimmel zeichnet.

Das Saaletal speichert geradezu die Feuchtigkeit der Nacht und ringt mit Regen und Sonnenschein, ohne sich recht entscheiden zu können. Vorerst obsiegt die Sonne und kämpft sich durch die Wolken. Schnell erreicht der ICE Naumburg, das noch vom Nebel eingeschlossen ist. Nur die Türme der Kirchen ragen aus dem Dunst hervor und die Silhouetten der Häuser sind im trüben Gegenlicht zu sehen. Auch hier bleibt der Eindruck, ein Maler hätte sich die Zeit genommen, das Gesehene auf der Leinwand festzuhalten und für die Ewigkeit zu bewahren. Weiter geht es Richtung Osten. Die Bewölkung wird wieder dichter, das Grau des Himmels wieder dunkler und ein paar Tropfen Regen zerfließen an den Scheiben. Leipzig kann sich auch noch nicht gegen diese herbstliche Jahreszeit wehren und die Sonne ist nur zu erahnen. Erst kurz vor Berlin öffnen sich wieder die Wolken und lassen das Licht hindurch. Hier ist die Kühle des Morgens schon einer schwülen Feuchte gewichen, die mich kaum dazu motiviert, den Koffer neben der wieder einmal defekten Rolltreppe der U-Bahn hoch zu schleppen. Noch ein paar Schritte bis zum Büro, ein neuer Arbeitstag beginnt. Ein echter Sommer ist das aber noch immer nicht.

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