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Vom Sinn des Waschens…

Neulich im Supermarkt. Isa und ich rollen gemächlich auf die Kasse zu, nur ein paar Teile im Wagen. Da sollte es am Band nicht lange dauern. Aber auch nur wenige Minuten können lange werden. Plötzlich rümpft Isa die Nase und mault: „Hier stinkt’s ekelhaft!“ Ich schniefe herum und werde sogleich von der Wolke getroffen. In der Reihe vor uns steht ein Typ, der eigentlich ganz „normal“ aussieht. Weder besonders abgerissen noch sonst irgendwie „komisch“.

Aber der Typ riecht einfach entsetzlich streng. Will heißen: er stinkt nach Schweiß, als ob er sich drei Wochen nicht gewaschen hat. Er riecht wie ein alter Ziegenbock und strahlt seine Ausdünstungen auf mehrere Meter aus. Die arme Kassiererin rückt mit ihrem Stuhl so weit wie möglich nach hinten und vergräbt ihr Gesicht in den Kleingeldrollen. Sie starrt mich an, während ich mich dezent nach hinten zu Isa umdrehe. Nun gilt es, das Kind von weiteren lautstarken Kommentierungen abzuhalten. Zu spät: ein lautes „Bääähh!“ durchbricht die Stille. Doch der Typ an der Kasse hebt unbeirrt seine Arme, um auch noch die letzten Wolken aus dem Muscle-Shirt entweichen zu lassen. Zum Glück hat er sein Feierabend-Bier schnell bezahlt und verlässt den Ort des Geschehens. Die Kassiererin und ich lassen ein lautes „pfffft“ hören und versuchen zu atmen. Isa aus dem Hintergrund: „Warum stinkt der Mann so ekelig?“

DAS ist die richtige Frage. Okay, es ist Hochsommer, fast 30 Grad draußen und jeder Mensch schwitzt unweigerlich. Aber muss man denn so ungewaschen und stinkend durch die Gegend laufen? Wohl kaum! Es gibt genügend fließend Wasser, Seife und Deos in Deutschland. Niemand muss so riechen und eine solche Zumutung für seine Mitmenschen abgeben.

Aber offenbar ist Hygiene für Manche doch eine Frage des eher zufälligen Zusammentreffens mit Wassers. Man mag nun argumentieren, dass man doch Toleranz walten lassen solle, man schließlich nicht immer Seife und Deo zur Hand habe. Aber darum geht es nicht. Es ist offenbar ein grundsätzliches Problem, denn solche Menschen ist es offenbar völlig egal, wie sie anderen Menschen begegnen und deren Toleranz strapazieren. Meine Toleranzgrenze ist auf jeden Fall an dieser Stelle erreicht. Vor allem dann, wenn einem solche Begegnungen häufiger, vor allem auch in öffentlichen Verkehrsmitteln, widerfahren, wo man sich den Ausdünstungen eben nicht so einfach entziehen kann. Waschen hat also nicht nur persönliche Hygieneaspekte, sondern auch eine soziale Bedeutung. Nur scheint sich dieser Gedanken leider noch nicht überall durchgesetzt zu haben.

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