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Christian Wulff – der bessere Präsident

Nun ist sie vorbei, die unerwartete Bundespräsidentenwahl, die noch vor wenigen Wochen keiner erwartet hatte. Aber so ist es nun einmal mit Überraschungen – sie kommen immer unerwartet.

Mancher hatte sich angesichts des medialen Trommelns für Joachim Gauck gewünscht, dass dieser letztlich auch gewählt werden würde. Es hat nicht sollen sein. Und das ist auch gut sein. Natürlich geht das Gejammer über die schwache Wahl Christian Wulffs weiter und viele trauern Gauck nach. Verständlich, denn keiner verliert gerne eine Wahl.

Gauck und Wulff – zwei völlig unterschiedliche Typen von Menschen und anderer Herkunft und Sozialisierung. So sehr ich Gauck für seine Arbeit als Oppositioneller in DDR und späterer Leiter der „Gauck-Behörde“ schätze, so steht er doch zu allererst für eine rückwärtsgewandte Sichtweise. Was verbinden die Leute mit ihm? DDR, Stasi und die Gauck-Behörde. Sind das Aspekte für die Zukunft unseres Landes? Ich denke nicht, dass man darauf aufbauen kann. Natürlich ist es wichtig, dass die Aufklärungsarbeit über das DDR-Unrechtsregime und die Stasi weitergeht. Wir brauchen noch mehr historische Forschung und juristische Aufklärung. Genauso wie dies für die deutsche NS-Vergangenheit weiterhin notwendig ist. Aber man sollte dies nun 20 Jahre nach der Einheit den Forschern und Juristen, Politikern und Sonntagsrednern überlassen und nicht zum Signum unseres Staatsoberhauptes machen.

Mag sein, dass Joachim Gauck der intellektuellere Kopf ist. Mag sein, dass er mehr Lebenserfahrung mitbringt und gelernt hat, sich in Ost und West zurechtzufinden. Aber seien wir doch einmal ehrlich: Wer will denn immer nur graumelierte, ältere Herren als Bundespräsidenten haben? Mit Weizsäcker, Herzog, Rau und zuletzt Köhler hatten wir in den letzten gut 25 Jahren immer irgendwelche Bedenkenträger, die durch Ruckreden und ähnliche Mahnappelle auffielen. Aber keiner stand wirklich für eine zukunftsgewandte Amtsführung, sondern eher für die Sicht zurück. Mit Köhler war zuletzt jemand im Amt, den ein Autor auf „Spiegel Online“ als „Apokalyptiker“ bezeichnet hat. Seine Monster-Rede bleibt von ihm im Gedächtnis. Aber wo ist der positive Ansatz?

Mit Christian Wulff kommt nun ein Mann ins Amt, der einige Jahre jünger ist als Vorgänger. Statt der tiefgezogenen Bedenkenfalten eines Herrn Gauck strahlt er eine fast jugendliche Fröhlichkeit aus. An seiner Seite eine junge, erfolgreiche Frau und kleine Kinder, die Leben ins Haus bringen. Wulff ist jemand, der noch mitten im Leben steht und nicht auf ein solches zurückschauen muss.

Ganz ehrlich: Mir ist ein Bundespräsident lieber, der noch weiß, wie ein voller Windeleimer stinkt oder wie es wehtut, wenn man mit nackten Füßen auf einen Lego-Stein tritt. Jemand, der einfach näher an den Alltagssorgen der Menschen ist als ein philosophischer Sonntagsredner. Ich brauche keinen evangelischen Pfarrer als Präsidenten, der mir ein paar Mal im Jahr eine Gardinenpredigt hält. Das haben die Vorgänger bereits ausreichend getan. Hätte man dies gewollt, hätte man auch einen Habermas oder Sloterdijk wählen können. Auch diese Herren können einem schön ins Gewissen reden. Von Christian Wulff erwartete ich einfach eine andere Gangart. Jemand, der fröhlich auf die Menschen zugeht, ihnen Mut macht und sich ihrer Nöte im Kleinen annimmt. Jemand, der hemdsärmelig mit seiner Familie spazieren geht und ein offenes Ohr für die Leute auf der Straße hat. Ein solcher Bundespräsident muss kein Intellektueller, sondern jemand aus dem Volk. Aus der Mitte der Lebens eben.

Geben wir Christian Wulff also die Chance, die er verdient hat. Er wird sie nutzen, zum Wohl unseres Landes. Für alles andere haben wir noch immer genügend graumelierte Bedenkenträger. Keine Sorge, dieser Typus stirbt in Deutschland nicht aus.

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